Kopfgeschichten

Ich habe schon ewig keinen Post mehr zur Mental Health veröffentlicht und auch schon lange keine Geschichte mehr von mir erzählt, egal ob Synästhesie, HSP oder Depresssion und Angststörung.
Wird mal wieder Zeit fand ich und heute ist es eher ein Gemisch aus allem.
Ich habe keinen wirklich passenden Titel gefunden, Akzeptanz umfasst irgendwie die Kernbotschaft des Ganzen.

Es ist ein bisschen schwierig zu erklären, aber ich weiß, Menschen die wie ich sehr sensibel oder sogar hypersensibel sind und Menschen, die schon mit psychischen Problemen wie Depression oder Angst zutun hatten, kennen dieses Gefühl oft.
Manchmal, wenn unglaublich viel Neues, Fremdes auf einen einströmt, wenn sich gefühlt alles ändert und wenn man gar nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, dann verliert man den Bezug zu sich selbst.
Ich sage dann immer „Ich fühle mich nicht mehr, wie ich selber.“
Es gibt sehr wenig Mensche, die diesen Satz verstehen (ich bin sehr dankbar, dass es die gibt, die es tun, auch wenn das meistens heißt, dass diese Menschen auch irgendwo einen Teil nicht so schöne Vergangenheit habe).
Es ist, als würde mein Gehirn sich einfach abkoppeln und eine weiche, flauschige Mauer um mein Innerstes errichten und mir den Zugang verweigern.

Äußerlich und in meinem Verhalten ändert ich nichts, niemand, dem ich es nicht erzähle würde auch nur einen Hauch von Veränderung an mir merken. Innerlich fühlt es sich aber an, wie ausgekotzt. Man will sein eigenes Gehirn packen und schütteln, diese Mauer wieder aus dem Kopf reißen und es anbrüllen, dass es einen wieder hineinlassen soll und dass doch gar nichts passiert ist und es kein Recht hat, einen auszusperren.
Früher hat dieses Gefühl zu den Schlimmsten gezählt die ich kannte und hat mich (und andere) an den Rand des Wahsinns getrieben.
Tatsache ist, bei mir passiert das nicht nur, wenn negative Veränderungen in meinem Leben geschehen, sondern auch bei positiven. Einfach immer, wenn so viele Emotionen auf einmal auf mich einströmen, dass mein Gehirn mit der Bearbeitung nicht nachkommt und dann macht es das, was wir von Parties oder Discos kennen, wenn sie abends zu voll sind. Einen Einlass- Stop.

 

Ich hab früher versucht mit Gewalt gegen dieses Gefühl anzukämpfen, aber das endet nicht gut. Die Farben fangen an zu verschwinden (noch immer eines der schlimmsten Gefühle der Welt für mich), ich schwanke ständig zwischen Heulkrampf, unbändiger Wut auf mich selber und unendlicher Müdigkeit. Zusammengefasst, keine Lösung.
Und mein Gott, was habe ich mich gehasst dafür, dass ich es einfach nicht hinkriege, normal zu sein, wie alle anderen Menschen.
Es gab eine zeitlang zwei Menschen in meinem Leben (die keine Ahnung haben, welche Bedeutung sie in meiner Geschichte haben), die mich zwei Dinge gelehrt haben.
Das eine ist, dass ich gut bin. Gut in dem was ich tue, gut in dem, was ich bin, dass ich stark bin und meine Geschichte mich erst zu dem gemacht hat, was ich bin.
Nie hat mir jemand ein größeres Kompliment und damit ein größeres Geschenk gemacht, zumal diese Person die erste von so vielen war, denen ich meine Geschichte erzählt hab, ehrlich und ganz simpel.
Die zweite Person hat mir beigebracht, dass das Wichtigste in meinem Job Akzeptanz ist. Für mich selbst, für meine Grenzen, für das, was ich nicht ändern kann.

Es hat Jahre gedauert bis diese Erkenntnis in meinem Kopf Platz gefunden hat.

Ich bin, wie ich bin und ich muss das akzeptieren um glücklich zu sein

Ich bin diesen Menschen bis heute dankbar, dass es sie in meinem Leben gab und ich werde nie vergessen, was sie für mich getan haben, auch wenn es unbewusst geschehen ist, auch wenn sie keine Ahnung haben.

Ich habe auch heute noch diese Phasen, in denen mein Gehirn seine flauschige Mauer baut. Ich sehe und höre dann immer noch alles und ich bin immer noch ich, aber der Zugang zu meinem Inneren ist versperrt. Meine Farbe ist dann in dieser kleinen Kapsel und tut sich super schwer, da wieder rauszukommen.
Der Unterschied ist nur, dass ich heute anders damit umgehe.
Wenn ich merke, dass diese Mauer auftaucht, dann weiß ich, dass ich mein Gehirn erst einmal nicht davon abhalten kann, sie zu bauen und dass es vielleicht besser so ist, immerhin schützt es sich damit vor einer Überflutung an Emotionen, die ich nicht gleichzeitig bearbeiten kann.
Heute muss ich manchmal lachen, wenn ich spüre dass es passiert.

Na, zuviel Emotionen?

Ich akzeptiere diesen Zustand, weil ich weiß, er geht vorbei und weil ich weiß, was ich tun muss, um meinem Kopf zu helfen. Schreiben hilft. Zum Beispiel dieser Blogbeitrag, der zum ersten Mal diese ganze Geschichte sortiert und ordnet. Poetry schreiben hilft auch oft.
Auf den Fußboden liegen, sich selber spüren, die Augen zu machen und die Farben hervorlocken, bewusst sehen, was sonst in meinem Unterbewusstsein herumschwebt, Musik anmachen und einfach tanzen, bis sich alles leicht anfühlt, Laufen gehen, wenn ich merke, dass meine Stimmung von Akzeptanz in Genervtheit umschlägt und was immer hilft ist meine Arbeit. Man möchte nicht glauben was Kinder mit meinem Kopf machen können.

Auf meinem Instagram Account findet man so viele Posts zur Selbstliebe, zur Akzeptanz und zur #alwayskeepfighting Kampagne, weil es einfach so unglaublich wichtig ist, zu akzeptieren, dass man ist wie man ist und man eben nicht einfach auf „Normalfunktion“ umschalten kann.
Aber das macht mich nicht zu einem schlechteren Menschen, dass macht es mir auch nicht unmöglich, ganz normal und vor allem glücklich zu leben, das macht mir mein Leben nicht kaputt, das zerstört keine Freundschaften und keine Beziehungen.
Was Schaden anrichtet, ist die Wut auf einen selber, dieser krampfhafte Versuch den Kopf zu etwas zu zwingen, was er gerade einfach nicht kann.

Es ist okay, so wie es ist.

Es ist okay. Okay. Okay. Okay. Okay dass mein Gehirn manchmal eine flauschige milchige Mauer baut, um mich zu schützen, es ist okay, dass es manchmal ein bisschen dauert bis sie wieder verschwindet, es ist okay, dass das bei mir nicht funktioniert, wie bei anderen Menschen.
Ich habe Synästhesie und ich bin hochsensibel, ich habe eine Vergangenheit. Das alles bin ich und soll ich euch was sagen?
Es ist gut, dass das so ist, es ist gut, dass ich so bin.
Ich würde nicht mehr anders sein wollen.

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